Hallo, liebe Flieger,
seit 2008 habe ich nun den UL Luftfahrerschein (bereits seit 2000 den PPL (B), später daraus resultierend PPL (C) mit TMG Berechtigung).
Nun wurde im September 2010 bei mir Typ 1 Diabetes diagnostiziert, soll heißen, ich spritze Insulin. Damit war mein Medical weg. Prinzipiell hat sich nichts verändert, alles andere ist gut stabil.
Gibt es nun neue Erkenntnisse, das Medical wiederzubekommen? Oder ist Diabetes Typ 1 immer noch ein Killerkriterium?
Wird überhaupt noch ein Medical benötigt? Wie bitte ist denn der Stand in Deutschland bei der Einführung der neuen LAPL Regeln?
Ich bin für jeden Hinweis dankbar. Nur zu gerne möchte ich wieder fliegen. Grüße aus Lübeck
Gerhard
triple-delta schrieb:
Wartet mal ab, was sich im September in der LuftPersV ändert. Evtl. gibts dann Entwarnung
Mit solchen Prognosen sollte man sehr vorsichtigt sein. Die Vorgabe bleibt das kommende bzw. das schon bestehende EU-Medivcal:
"MED.B.025 Stoffwechsel und endokrines System
a)Bewerber dürfen weder funktionelle noch organische Stoffwechsel-, Ernährungs- oder endokrine Störungen aufweisen, die die sichere Ausübung der mit der/den geltenden Lizenz(en) verbundenen Rechte beeinträchtigen können.
b) Bewerber mit Stoffwechsel-, Ernährungs- oder endokrinen Funktionsstörungen können als tauglich beurteilt werden, sofern die Störung nachweislich stabil ist und eine zufrieden stellende flugmedizinische Beurteilung vorliegt.
c) Diabetes mellitus
(1)Bewerber mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus sind als untauglich zu beurteilen.
(2) Bewerber mit nicht insulinpflichtigem Diabetes mellitus sind als untauglich zu beurteilen, es sei denn, es kann eine erfolgreiche Einstellung des Blutzuckerspiegels nachgewiesen werden.
d)Flugmedizinische Beurteilung:
(1) Bewerber um ein Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1 müssen an die Genehmigungsbehörde verwiesen werden, wenn sie zur Einstellung ihres Blutzuckerspiegels andere Medikamente als Insulin einnehmen müssen.
(2) Die Beurteilung der Tauglichkeit von Bewerbern um ein Tauglichkeitszeugnis der Klasse 2, die zur Einstellung ihres Blutzuckerspiegels andere Medikamente als Insulin einnehmen müssen, muss in Konsultation mit der Genehmigungsbehörde erfolgen."
flieger1990 schrieb:
Damit war mein Medical weg.
Und das ist wahrscheinlich das Problem.
Ist Dir das Medical, also die Flugtauglichkeit, definitiv aberkannt worden, sind fortan auch alle Luftsportarten, wo eigentlich keine med. Flugtauglichkeit nachgewiesen werden müsste, absolut tabu, bis eben diese aktenkundige Fluguntauglichkeit durch ein AMC wieder aufgehoben* wird, wovon man aber leider bei einem insulinpflichtigen Diabetes nicht ausgehen kann.
Ich kann jedem UL-Piloten daher nur empfehlen, 1. sich für kleines Geld die 120 kg-Lizenz austellen zu lassen und 2. falls der Verlust des Medicals droht, es einfach verfallen zu lassen** und sich so wenigstens die 120 kg-Lizenz zu erhalten und Weg zum Drachen- oder Gleitschirmfliegen nicht endgültig zu verbauen!
Michael
*) und das ist mitunter ein ziemlicher finanzieller und zeitlicher Aufwand.
**) ob so eine Gefahr wirklich droht, kann auch jeder "normale" Arzt beurteilen. Und wir Männer in den besten Jahre sollte immer im Auge haben, eine Koronarattacke kann schon mal vorkommen ...
Edition30GTI schrieb:
Dann bliebe immerhin noch die Möglichkeit sich einer Transplantation zu unterziehen.
Es wid z.Zt., und es ist auch in Zukunft nichts anderes zu erwarten, nur ein verschwindender Teil der heutigen Transplantationsmedizin in den Bestimmungen zum Medical namentlich erwähnt. Es wird aber immer verlangt, dass ein transplantiertes Organ "funktioniert".
Über diese Funktion muss dann der Bewerber mit Hilfe fachärztlicher Gutachten entsprechende Nachweise zu führen, bis sich das AMC vielleicht einmal erweichen lässt, und die einmal ausgesprochene Untauglichkeit relativiert oder gar in Gänze zurück nimmt. Das dauert lange und kostet einiges ...
Will sagen, wenn man sich für eine Transplantationtherapie beim Diabetes entscheidet, sollten einzig medizinische Erwägungen im Vordergrund stehen und nicht etwa das verlorene oder nicht zu erreichende Medical den Ausschlag geben. Wenn das dann nach erfolgreicher Therapie am Ende quasi als Bonus noch herausschaut, umso besser!!
Michael
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