Lindoriel schrieb:Würde ich nicht daran festmachen. Nimm einfach mal einen Piloten, der zwischen ein paar windigen Inseln Kurzstrecke fliegt. Der macht pro Tag seine 4-6 Landungen bei unterschiedlichen Wind. Jetzt nimm einen Langstreckenpiloten. Der kommt pro Woche vermutlich auf 4 Landungen, viele davon evtl. nicht mal bei schwierigen Windverhältnissen.
Zur Pilotenausbildung: Wenn ich mir Crosswindlandings auf YouTube ansehe habe ich den Eindruck, dass manche Fluggesellschaften diese Situation besser meistern als andere. Das liegt meiner Meinung nach zum großen Teil an der Ausbildung der Piloten, die wohl in unterschiedlicher Qualität angeboten wird.
Moin,
nachdem wir jetzt ja einige Themenkomplexe zusammen haben:
1: um ein komplett neues Flugzeugmuster zuzulassen, braucht man sehr viel Zeit und noch mehr Geld. Flugzeuge, die schon zugelassen sind, fallen unter Bestandsschutz. Deswegen lässt Boeing die 737 leben und versucht, alle Änderungen in die ursprüngliche Musterzulassung hineinzubekommen. Das ist ganz klar und eindeutig ein massiver Vorteil und sie wären blöd, es nicht zu nutzen. Auch die Betreiber haben weniger Aufwand und Kosten etc. Wird auch bei der Autoindustrie genutzt, bei Kraftwerken etc. Bevor etwas komplett neu angemeldet und zugelassen wird, wird eher eine Ergänzungszulassung angestrebt. Der A320 NEO ist auch nur ein Derivat des Ur-320. Hier kann man aber sehr schön erkennen, warum eine computerunterstützte Steuerung auch sinnvoll sein kann: Probleme im Handling können ausmoderiert werden, anstatt sie durch weitere Systeme zu kompensieren.
2: Das reine Fliegen eines Jets ist ein relativ geringer Anteil an den Aufgaben eines Linienpiloten. Deswegen sagt der Beruf auch nicht vollumfänglich etwas über die reinen manuellen Flugfähigkeiten aus. Aber da es doch eine Schnittmenge gibt, gibt es auch unter Berufspiloten welche, die sehr wohl auch fliegen können, wenn man den Massstab des Forums anlegt. Der Inselpilot, der mit ner 206er Cessna zwischen 3 Inseln hin- und herfliegt, kann in seinem Gebiet perfekt agieren. Aber sagt das was über seine komplette Befähigung aus, z.B. auch nen Airliner zu bewegen? Vermutlich nicht, da sich die beiden Berufsprofile doch stark unterscheiden.
3. Auch wenn Geld die treibende Kraft hinter der kommerziellen Fliegerei ist, gibt es bei der Gesamtzahl an Personen, die damit beschäftigt sind, nicht nur reine Kommerzgeier, die auf alles scheissen, was ihr Geld kosten könnte. Getreu dem Motto: "if you think, safety is expensive, try an accident" wurde das schon in diversen Industrien probiert und auch jedesmal als nicht probat befunden. Die Berichterstattung über solche Vorkommnisse ist Schlagwortgetrieben, um jedem Leser die Chance einzuräumen, mitreden zu können. Das kennt ihr alle mit Sicherheit: 20.00 Abends, Tagesschau: es wird über irgendein Thema berichtet, mit dem ihr berufsbedingt vertraut seid. Ihr denkt: manno, was reden die da wieder für einen Quatsch, das stimmt doch so überhaupt nicht. Aber bei den anderen Themen sind die immer 100% spot on? Ich kenne keinen Nachrichten- oder Informationsdienst, der auch nur Ansatzweise fachlich korrekt und nicht meinungsgetrieben berichtet. Das sieht man auch an den hier zum Teil verlinkten Quellen. Immer, wenn nix geht, werden "Experten" zitiert, ohne das die Expertiese offengelegt wird, es werden "Wissenschaftler" benannt, ohne das deren Ausarbeitung gewichtet und zitiert wird, es gibt Geheimpapiere, die aber irgendwelchen Internetfrodos zugänglich gewesen sein sollen?!? So geschieht das auch gerade mit den Unfällen der -MAX.
Gruß Raller
Mir wurde dieser Link auf einen Artikel eines ehemaligen Lufthansapiloten zugesendet.
Das Portal auf dem er erschienen ist, ist meiner Meinung nach auch kritisch zu bewerten, der Artikel selber aber scheint doch viele bedenkenswerte Fakten zur 737 zu enthalten. Auf jeden Fall schon sehr bedenklich:
https://www.anderweltonline.com/wissenschaft-und-technik/luftfahrt-2019/b-737-max-endlich-muss-der-schrott-aus-seattle-am-boden-bleiben/
luftfahrt-2019/b-737-max-endlich-muss-der-schrott-aus-seattle-am-boden-bleiben/
Moin,
wenn du das beworbene Buch am Ende des Artikels betrachtest, sollte schon mehr als eine Alarmlampe angehen. Und nur, weil einer die 737 als Krücke bezeichnet ( ohne zu begründen, warum ), ist sie deswegen nicht zwingend ein schlechter Flieger. Immerhin gibt es in all den Jahren der 737-Ops keine signifikanten Unfallzahlen, die das Bashing in dem Artikel untermauern würden. Faktisch liefert der Artikel garnix ausser einem Meinungsbild, das zu einer Kaufempfehlung hinmoderiert...
Gruß Raller
raller schrieb:Moin,
, sollte schon mehr als eine Alarmlampe angehen
@ Oliver_K
War ja nur eine Frage der Zeit, bis hier einer mit einem Link auf eine Seite um die Ecke kommt, auf der rechtspopulistische Verschwörungstheorien verbreitet werden. Hoch interessant auch die Buchtitel, die auf der Seite beworben werden: u. A. "England, die Deutschen, die Juden und das 21. Jahrhundert" oder "Die Deutschen - Das klügste Volk der Erde, verabschiedet sich von der Geschichte". Da weiß man gar nicht, ob man lachen oder weinen soll.
EDXJ schrieb:@EDXJ Lieber Kollege, ich habe ja auch deutlich kritisch darauf hingewiesen. Also bitte mich nicht in diese Ecke stellen.
War ja nur eine Frage der Zeit, bis hier einer mit einem Link auf eine Seite
@ Oliver_K
Sorry, aber wenn ich mich mit diesem reaktionären Schwachsinn, der auf solchen Seiten verbreitet wird nicht gemein machen will, dann verbreite ich solche Links eben nicht.
BTW: Ich könnte auch noch ein paar Links auf Videos posten, in denen der ausgewiesene "Experte" Peter Haisenko, Verschwörungstheorien zum 11. September verbreitet.
Moin,
mal die Qualifikation oder Einstellung des Experten beiseite: er behauptet im Prinzip ohne technische Belege, das die 737 von Anfang an ein Krüppel war, der immer weiter verschlimmbessert wurde. Aber weder das zitierte Fahrwerk noch die angeblich lausigen Autopiloten oder sonst welche technischen Details haben sich in der langen Betriebszeit der 737 als eklatante Problemstelle herausgestellt. Die 737 hat ganz andere Probleme in der täglichen Ops und vor allem auch bei Wartungsevents, die auch als Schwachstelle belegbar sind. Aber einfach zu sagen, die und die Teile sind schlecht, ohne auch nur eine einzige Begründung, macht den Artikel wertlos. Aber das deckt sich eigentlich genau mit dem, was ich weiter oben geschrieben habe: Artikel mit Substanz sind schwer zu finden...
Gruß Raller
Zur weiteren Meinungsbildung und kritischen Beurteilung.
spiegel.de/international/europe/what-s-wrong-with-the-boeing-737-max-8-a-1257608.html
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