Hallo zusammen,
vor kurzem waren wieder einige Verkaufsanzeigen zu AHRS-Lagesensoren in den aktuellen Themenübersichten zu finden. Ich hab auch hin und wieder damit geliebäugelt , um im Notfall mit einem künstlichen Horizont vielleicht doch länger als die berühmten knapp 3 Minuten zu überleben, wenn ich von Dunst und/oder Wolken überrascht werde.
Ich will nicht die leidige Diskussion lostreten dass man ja gar nicht erst in eine solche Situation kommen darf und überhaupt... (bla, bla, bla - das weiß ich selbt, ich will es nicht hören!)
Wer hin und wieder nach Helgoland fliegt, hat es vielleicht auch schon erlebt, dass es über dem Meer dunstig wird und irgendwann Himmel und Meer nahtlos ineinander übergehen (ich weiß es nur aus Erzählungen, ich habe meine 100 Stunden noch nicht zusammen, um da auch mal hinfliegen zu dürfen). Die Oberfläche der See hat ihre eigenen Strukturen und die können einem ein schiefes Bild vorgaukeln, wenn der Horizont als Referenz fehlt.
Da könnte vielleicht ein Smartphone mit Lagesensor helfen. Ob die Lagesensoren des iPhones hinreichend schnell und genau ansprechen, kann man ausprobieren, indem man die systemeigene Wasserwaagen-App öffnet (versteckt sich unter "Maßband") das iPhone auf ′nem Bürostuhl fixiert und diesen schnell um die eigene Achse dreht. Wenn sich die Lageanzeige trotz der seitlichen Beschleunigung/Drehbewegung nicht ändert, müsste es doch funktionieren, oder? Wäre das ′ne Überlebenshilfe für den Notfall oder habe ich da etwas übersehen?
Gruß Lucky
Bau dir nen Stratux. Das Lagemodul ist zwar nicht über jeden Zweifel erhaben, aber viel verlässlicher als dein Telefon. Und du hast die Verkehrswarnung auch gleich dabei.
Alternativ gibt es Systeme wie das IFD-Net EFIS, AVMap Ultra, Dynon D2 Pocket, iLevil,... die auch nicht die Welt kosten aber im Fall der Fälle ein gutes Backup sind.
Chris_EDNC schrieb:
Ja. Es funktioniert schlichtweg nicht in einem Flugzeug. 1-2 Kurven und der Lagesensor erzeugt einen komplett schiefen Horizont.
Natürlich geht das, es gibt nur vielleicht ungeeignete Applikationen die dem Scheinlot irgendwann folgen, und geeignete Applikationen.
Die Sensoren in den heutigen Telefonen sind auch nichts anderes als in einem Dynon, einem MGL, einem S80 und allen anderen ungenannten AHRS die wir so in Flugzeugen verwenden.
Nicht zuletzt die ganze Quadcopter arbeiten damit.
schrieb:Der Bürostuhl taugt nur als Vergleich, wenn Du ihn passend aufbaust (Telefon aussermittig und gekippt für passendes Scheinlot), aber ansonsten geht das.
Wäre das ′ne Überlebenshilfe für den Notfall oder habe ich da etwas übersehen?
Wenn das dann bei den Tests funktioniert kannst Du persönlich dieser app und dem Telefon vertrauen. Einen Wechsel der App würde ich grundsätzlich widerholen, da die App einen relevanten Einfluss auf die interpretation der Daten hat.
Ich habe bereits länger solche Systeme im Segelflieger und das ganze funktioniert beim dauerhaften Kurbeln bis hin zu kompletten Bahn- und Lageverfolgungen im Kunstflug.
Chris_EDNC schrieb:Hmmm. Welches iPhone hast Du? Bei meinem iPhone X kann ich damit im Haus rumlaufen, alle möglichen Kurven simulieren, bei denen mein Flieger längst auseinandergebrochen wäre. Hast Du die Wasserwaage mal im Flieger ausprobiert?
Ja. Es funktioniert schlichtweg nicht in einem Flugzeug. 1-2 Kurven und der Lagesensor erzeugt einen komplett schiefen Horizont. Ein Bürostuhl kann das nicht simulieren.
Ich will daraus auch nix stricken, um es als ständigen künstlichen Horizont zu nutzen sondern es als Notfall-Alternative ansehen, um die Holzkiste zwei Meter unter der Erde noch um ein paar Jahre oder Jahrzehnte aufzuschieben.
Steht der Horizont nach allerlei Gekurve tatsächlich schief? Hat das mal jemand ausprobiert?
Ich will auch keine Lösung nur für MICH (ja ich könnte mir noch alles mögliche kaufen um gewappnet zu sein), sondern für den Fall, DASS es funktioniert, anderen eine Notlösung aufzeigen, die man vielleicht sogar in der Jackentasche bei sich hat, wenn der Flieger nicht entsprechend ausgerüstet ist ("unverhofft kommt oft").
Gruß Lucky
Mr. Lucky schrieb:Es funktioniert sogar als dauerhafter Horizont.
Ich will daraus auch nix stricken, um es als ständigen künstlichen Horizont zu nutzen sondern es als Notfall-Alternative ansehen,
Mr. Lucky schrieb:Jap.
Hat das mal jemand ausprobiert?
ich kann aber nur für iPhone 7, iPhone 6, Sony Z3, Samsung S4 Active sprechen...
Mr. Lucky schrieb:Wenn du erstmal in der Situation bist, ist der Stresslevel so hoch, dass bereits iPhone finden, App suchen, App auslösen, Ergebnis interpretieren und dann das Ergebnis mit dem visuellen Eindruck vergleichen UND gegen alle Deine Instinkte anarbeiten, die dir eine völlig andere Lage vorgaukeln wollen ... noch 84 Sekunden.
anderen eine Notlösung aufzeigen, die man vielleicht sogar in der Jackentasche bei sich hat, wenn der Flieger nicht entsprechend ausgerüstet ist ("unverhofft kommt oft")
Entweder eine Lageinformation ist fester Bestandteil deines Cockpits und Teil des Instrumenten Scans oder Du kannst es vergessen. Unterschätze den Stress Level nicht und die damit einhergehende Limitierung Deiner Fähigkeiten. Im Dunst nach Helgoland? Dann geh halt soweit runter, bis du Wellen erkennen kannst. Zu tief ist besser als desorientiert.
Deswegen mag ich diese kleinen PFDs wie ein Garmin G5. Barometrische Airspeed, barometrische Höhe und die Lage - mehr braucht man nicht und das alles in nur einem Instrument und das Ding hat noch eine Backup Batterie, es läuft also auch, wenn deine Hauptbatterie bereits auf dem Meeresgrund liegt, weil du bei 20 100h Kontrollen und diversen JNPs nie die Korrosion deines Batteriehalters kontrolliert hast.
Das Suchen nach Erkenntnissen, also Cockpit, Jacke, nach draußen, zurück, auf das iPhone, nach draußen ... trägt übrigens erheblich zur Desorientierung bei. Ein oder nur wenige Instrumente, Kopf nicht oder wenig bewegen, ist in der Situation sehr hilfreich.
Gruß - Wolfgang
Mr. Lucky schrieb:Ich habe es mit mehreren iPad Pro probiert mit 4-5 verschiedenen Apps. Daheim habe ich _alles_ probiert, drehen, schwerelos machen und dabei drehen, versch. Beschleunigungen in versch. Richtung, der Horizont hat stets korrekt angezeigt, egal welche App. Dann im Flugzeug 1-2 normale Kurven und der Horizont stand komplett schief, egal welche App... ;))
Welches iPhone hast Du? Bei meinem iPhone X kann ich damit im Haus rumlaufen, alle möglichen Kurven simulieren, bei denen mein Flieger längst auseinandergebrochen wäre. Hast Du die Wasserwaage mal im Flieger ausprobiert?
Dass das bei Steffen irgendwie funktioniert kann ich (fast) nicht glauben, wie gesagt, ich habe so ziemlich alles probiert. Nun werkelt ein ICFly im Flieger und ich bin hoch zufrieden. Ich würde damit aber niemals in IMC fliegen.
Chris
Chris_EDNC schrieb:Nee, dafür will ich das auch nicht mißbrauchen, ich will in dem Fall, in dem sich der Dunst langsam anschleicht und auf einmal dicht macht, länger leben als die berühmten 178 Sekunden.
Ich würde damit aber niemals in IMC fliegen.
Wenn das iPad das nicht auf die Reihe bekommt, kratzt es mich relativ wenig, das ist so groß, das hab ich nicht in der Jackentasche. :-)
Einige Funktionen, die am iPad funktionieren, wie der Apple pencil, funktionieren nicht am iPhone. Wäre doch möglich, dass das iPhone sich hinsichtlich des Lagesensors dahingehend unterscheidet, dass es die Kurverei ab kann und das iPad ′ne Kotztüte braucht. Probiere das doch mal mit dem iPhone aus (systemeigene Wasserwaage - nicht irgendwelche Drittanbieter-Apps!). Bin neugiering!
Gruß Lucky
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