Wenn die Psyche ins Trudeln gerät

Forum - Unfallprävention
  • forester schrieb:
    Der allerletzte ist immer: Motor aus, Hahn zu, schirm ziehen, Mayday absetzen. Besser Fallschirm als tot.
    Das hilft dir aber auch nur, wenn irgendetwas auf Reiseflughöhe schiefgeht. Bei Start und Landung hilft der Schirm nicht.

    Mein Rezept für Landungen ist ganz generell: Du machst drei Versuche (nicht mehr!), danach kommt dann Plan B.

    Plan B könnte bei ordentlich Seitenwind in Oerlinghausen z.B. sein in Bielefeld Windelsbleiche zu landen. Deren Piste ist liegt ja fast rechtwinklig zu unserer. Und ja, dann bin ich halt ein Idiot, weil ich immer die Sichtanflugkarte vom Nachbarplatz dabei habe.

    An fremden Plätze könnte die "3 Landeversuche Regel" dann auch bedeuten, daß es danach sofort wieder zurück geht ohne weitere Landeversuche. Oder zumindest würde ich erst einmal nach 3 erfolglosen Versuchen die Platzrunde verlassen, um etwas zu entspannen. Bisher mußte ich zwar noch nie so handeln, aber das ist zumindest mein Plan. Ganz im Gegenteil bin ich da schon öfters im 2. Versuch gelandet und habe mich beim Aussteigen gewundert in welchem Mist ich da denn gerade gelandet bin und mich gefragt, ob ich da auch nachher wieder weg komme.

    Und denk dran, wenn du da oben mal psychisch in den Seilen hängst und es nicht optimal läuft: Du schaffst das!

  • Sich selber zu sagen: "Du schaffst das", nennt man "Positive Selbstinstruktion" (PSI); auch das kann helfen, die "trudelnde Psyche" wieder einzufangen.

    Von Herwart Goldbach, dem DFS-Referenten, habe ich noch einen guten Tipp bekommen: In einer Situation, wo er bereits mit dem Leben abgeschlossen hatte und die Gedanken entsprechend um den finalen Aufschlag kreisten, hat er mit einem lauten "STOPP!" sein Hirn wieder eingefangen und konnte dann eine Sicherheitslandung meistern. Solch einen "Gedankenstopp" kennt man auch in der Psychotherapie bei Grübeln und Depression.

    Ich finde immer wieder interessant, dass viele Berichte um die konkreten Umstände kreisen, auch um die (technischen) Maßnahmen (Brandhahn, Rettung...), aber die Befindlichkeit der Psyche wie einen blinden Fleck aussparen. Genau darauf möchte ich hier den Blick richten.

    Schönen Sonntag

    Tobias

  • Noch so ein Tipp von mir: wenn es doch schwierig wird, fange ich an zu singen. Ich fliege meistens allein, also keiner hört zu. Das baut auch den Stress etwas ab. Den alten Trick kennen die Militärs ;)

  • Mein "gefühlt" gefährlicher Moment..

    Streckenflug, stark Sinkende Wolkendecke, einsetzender  Nieselregen mit einhergehender schlechter Sicht. Dann der Moment der Erkenntnis "du hast JETZT ein Problem, das du JETZT lösen musst.. kein vertagen oder zweiter Versuch". Ab dieser Erkenntnis läuft das Denken anders ab und plötzlich spüre ich fast körperlich einen eisernen Griff um die Eingeweide.  So muss sich aufkommende Panik anfühlen. Irrational, Blockierend, Übermächtig. Augen werden groß, Pressatmung. 

    Meine einzige Alternative zur sofortigen Außenlandung war unerwarteterweise ein naheliegender Platz, mit einer tiefenenspannten Frauenstimme im Funk und dortiger Landung.  War in der Realität evtl gar nicht soo spektakulär, ist einer Panikattacke aber egal und kann ins Auge gehen. 

    Ansonsten sind meine antrainierten Muster bei schwierigen Landungen. Lächeln! Beeinflusst das Unterbewusstsein enorm. Und ich sage mir "Ich will noch gar nicht landen, ich mach nur einen Probeanflug" psychisch alles aufs durchstarten eingestellt und wenn′s halt doch passt, setz ich die Kiste einfach hin.

    Fliegergruß

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