Beim Start von der Bahn abgekommen

Forum - Unfallprävention
  • Liebe Leute,

    ich möchte Euch von einem vermurksten Start am Freitag erzählen.

    Es war auf einer Grasbahn, frisch gemäht, 600m, leicht abschüssig - ich kenne sie.

    Beim Start gab ich zögerlich Gas, was grundlegend auch gut ausreicht. Nach ca. 200m merkte ich, dass ich nicht ausreichend beschleunigte und zog (vermutlich zu viel) am Steuerknüppel.

    Das Bugrad hob ab und das Hauptfahrwerk (sowie die Maschine) fing leicht an zu hüpfen. Ich glaube, dass sich die Maschine in dem Moment mit der Nase nach rechts bewegt hat (Treten rechts Seitenruder wegen der Motordrehmoments). Sie hob aber noch nicht ab und ich glaube, dass ich dem Steuerknüppel dann wieder nachgab und so weiter rollte, allerdings nicht mehr geradeaus, sondern auf den rechten Pistenrand zu.

    Ich glaube mich noch dran zu erinnern, dass ich wohl bewusst handelte, zumindest zog ich am Knüppel und hob wenige Meter ab, dann schaute ich auf den Fahrtmesser, immerhin 95 km/h, also gab ich nach, um im Bodeneffekt Fahrt zu gewinnen und weiter zu steigen. 

    Ich bin heute nochmal an dem Platz gewesen und habe versucht mein Fehlverhalten nachzuvollziehen - es war sehr, sehr knapp und ich erinnere mich an den Unfall in Tannheim im letzten Jahr.

    Mein learning aus dieser Sache - auch bei Graspisten immer erst den Knüppel richtig ziehen, wenn man schon gut Fahrt hat, auch wenn es sehr "hoppelig" ist. 

    Happy landings
  • Meine Starttechnik ist die, dass ich immer unmittelbar nach Beginn des Startlaufes das Bugrad anhebe. Auf Asphaltbahnen ist das zwar nicht erforderlich, aber umso mehr auf Grasbahnen. Ich wuerde dies an Deiner Stelle also generell beibehalten, aber natuerlich besser machen (sofort anheben, waehrend des Beschleunigens den Knueppel immer weiter nachlassen, so dass die Nase immer in derselben Position bleibt, dann hebt der Flieger recht bald von selber ab).


    Chris
  • Start = Vollgas
  • Anonym schrieb: Mein learning aus dieser Sache - auch bei Graspisten immer erst den Knüppel richtig ziehen, wenn man schon gut Fahrt hat, auch wenn es sehr "hoppelig" ist.
    ???
    Gerade bei Softfield-Starts wird ja mit voll gezogenem Höhenruder angerollt und erst nachgelassen, wenn die Maschine im Bodeneffekt fliegt.
    Vielleicht solltest Du mal das Buch "Das Seitenruder - Ungeahnte Möglichkeiten der Steuerung, nicht nur für Segelflieger!" aus dem Regal nehmen. :-))

    Michael
  • Ich mache es exakt genau so wie Christian. Bei Bugradmaschinen ist es auch nicht besonders schwierig, mit gehobenem Bugrad die Richtung zu halten.  Ich würde sogar sagen, es ist einfacher mit einem Flugzeug mit gehobendem Bugrad mit Geschwindigkeiten um die Abhebegeschwindigkeit herum  stabil geradeaus zu rollen und leichte Richtungsänderungen zu machen,  als wenn es noch am Boden ist. 


    Die 95Km/h unmittelbar nach dem Abheben sind nicht kritisch.  Gerade bei den gut motorisierten ULs macht es keinen Sinn, das Höhenruder nochmal nachzulassen, wenn man mit 95Km/h abgehoben hat.  Einfach im leichten Steigflug weiter beschleunigen. Anders sieht das natürlich bei extremen Dichtehöhen, Überladung und ohnehin schwachem Motor aus. 
  • Manchmal habe ich den Eindruck, es ist vielleicht nie richtig erklärt worden, was beim Start für einzelne Zustände durchlaufen, die letztlich die Richtung und das Abheben beinflussen.
    Zumal das bei den verschiedenen Flugzeugtypen (Bug-/Spornrad-Hoch/Tiefdecker) differiert.

    Wenn dann noch Stress dazu kommt...
    Anonymer, verinnerliche nochmals die Theorie und übe die Praxis. Nb.: solche Erfahrungen hat jeder schon mal auf die eine oder andere Art gemacht.
    Hauptsache: Et is nochens jood jejange...
  • @FD: Wahrscheinlich hat ihn Deine Theorie, dass beim Ziehen der Flieger sinkt, verwirrt :-).
    Grüße Wolfram
  • Gerade bei Softfield-Starts wird ja mit voll gezogenem Höhenruder angerollt und erst nachgelassen, wenn die Maschine im Bodeneffekt fliegt.
    Das hast Du wahrscheinlich ungluecklich formuliert.
    Voll gezogen lassen bis die Maschine fliegt sollte man ganz sicher nicht. Voll gezogen anrollen ist evtl. noch ok (das mochte meine P-96 uebrigens nicht, die setzte sich dann auf den Sporn...), bis das Bugrad leicht angehoben ist. Dann sukzessive nachlassen beim beschleunigen, das Bugrad dabei immer im selben Abstand zum Boden halten.

    Mit dieser Starttechnik kommt man auf allen Bahnen super zurecht, egal ob Asphalt oder Kartoffelacker.


    Chris
  • FD schrieb:
    Gerade bei Softfield-Starts wird ja mit voll gezogenem Höhenruder angerollt und erst nachgelassen, wenn die Maschine im Bodeneffekt fliegt.
    Naja, du scheinst ja im UL Bereich nur C42 zu fliegen.
    Grundsätzlich hast du recht, das Bugrad so schnell wie möglich entlasten.

    Je nach Flieger, sprechen die Ruder aber auch stärker an.
    Ich würde nie voll durchziehen. Bei mir reichen wenige Zentimeter und das Rad ist bei entsprechender Geschwindigkeit oben und der Flieger steigt wie verrückt.

    Wenn du dann den Moment verpatzt oder zu hektisch reagierst, bist du schneller 3 Meter über der Bahn im Langsamflug, kippst über die Fläche ab oder bohrst den Propeller zurück in den Boden.

    Mit voll gezogenem Höhenruder anrollen, bin ich mit dir einverstanden. Beim Startvorgang würde ich aber schnellstens neutralisieren und dann mit Gefühl anziehen. Auch beim Start gehört Gefühl dazu...

    Steve
  • @ Anonym Interessante Thematik.
    Vielen Dank das Du hier so offen berichtest und das Erlebte beschrieben hast.
    Gerade weil  ich das noch nie hatte. ( und lerne auch gern dazu) 
    Ich nehme immer, auch auf Asphalt, das Bugrad schnell hoch.  Bei über 1000 Starts, davon ca  300 auf Gras, ist es mir mit meiner C 42 noch nie vorgekommen dass sie beim Start aus der Spur kam.
    Wie aber schon in einigen Kommentaren zu lesen verhalten sich die Flieger unterschiedlich sodass es keine Patentlösung gibt.  
    Ich möchte allerdings folgende Frage stellen:
    Kann es sein, dass der Wind leicht von hinten oder von der Seite kam ? Und trotzdem bergab gestartet wurde? ( ....das ist sehr oft üblich, z B. Dolmar etc) . Dann würde das die  Rollstrecke (zusammen mit fehlendem Vollgas) und auch das Ausbrechen erklären. 
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